Norwegischer Lundehund

Der Norwegische Lundehund ist ein kleiner, eigenständiger Jagdhund mit aussergewöhnlicher Anatomie. Haltung, Fütterung und Gesundheit verlangen eine besonders gute Vorbereitung.
Der Norwegische Lundehund ist ein kleiner, wendiger und eigenständiger nordischer Jagdhund mit aussergewöhnlicher Anatomie. Haltung und Fütterung verlangen wegen rassespezifischer Besonderheiten gute Vorbereitung. Dieses Rasseportrait erklärt, welche Eigenschaften im Alltag wichtig sind und für wen die Rasse geeignet sein kann.
Herkunft und Geschichte
Der Lundehund wurde an der norwegischen Küste zur Jagd auf Papageitaucher eingesetzt. Er kletterte in enge Felsspalten und brachte Vögel aus schwer zugänglichen Brutplätzen. Nach dem Ende dieser Nutzung und mehreren Seuchenzügen sank der Bestand stark; wenige verbliebene Hunde bildeten die Grundlage der heutigen Population.
Erscheinungsbild
Die Rasse besitzt mehrere anatomische Besonderheiten: mindestens sechs Zehen an jeder Pfote, aussergewöhnlich bewegliche Schultergelenke und einen Hals, der weit nach hinten gebogen werden kann. Auch die Ohren lassen sich besonders verschliessen. Rüden erreichen etwa 35 bis 38 cm, Hündinnen 32 bis 35 cm.
Die besonderen anatomischen Anpassungen
Der Lundehund wurde für die Arbeit in engen, feuchten Felsspalten selektiert. Mehrere Merkmale halfen ihm beim Klettern und Wenden:
- An jedem Lauf befinden sich mindestens sechs vollständig entwickelte Zehen. An den Vorderläufen sollen laut Standard acht Ballen vorhanden sein. Die zusätzlichen Zehen vergrössern die Auflagefläche und verbessern den Halt.
- Der besonders bewegliche Schultergürtel erlaubt es, die Vorderläufe weit seitlich abzuspreizen. Dadurch konnte sich der Hund in schmalen Felsspalten abstützen.
- Die Halswirbelsäule ist so beweglich, dass der Kopf weit nach hinten gelegt werden kann. Diese Beweglichkeit half beim Wenden in engen Gängen.
- Die aufgerichteten Ohren können durch eine besondere Knorpelfalte nach hinten oder zusammengefaltet werden. So liess sich der Gehörgang bei der Arbeit besser gegen Schmutz und Tropfwasser schützen.
- Das Gebiss kann weniger Prämolaren aufweisen als bei vielen anderen Hunderassen. Fehlende Prämolaren sind laut Rassestandard zulässig.
Diese Besonderheiten gehören zum funktionalen Rassetyp. Sie bedeuten nicht, dass der Hund im Alltag zu extremen Beweglichkeitsübungen angehalten werden sollte.
Rettung einer fast verschwundenen Rasse
Die letzten ursprünglichen Bestände lebten vor allem in Måstad auf der Insel Værøy. Als die Papageitaucherjagd mit Netzen effizienter wurde und zusätzlich Hundesteuern erhoben wurden, verlor der Lundehund seine Aufgabe und seine Zahl sank stark. Eleonora Christie begann ab 1938 mit Hunden aus Måstad eine Erhaltungszucht. Staupeausbrüche vernichteten später sowohl auf Værøy als auch in ihrer Zucht grosse Teile der Population. Durch den Austausch weniger überlebender Hunde konnte die Rasse erneut aufgebaut werden. Die sehr kleine genetische Ausgangsbasis wirkt sich bis heute auf Zucht und Gesundheit aus.
Wesen und Charakter
Lundehunde sind häufig wach, neugierig und eigenständig. Ihre ursprüngliche Arbeit verlangte Mut und selbstständige Entscheidungen. Fremden gegenüber können sie zurückhaltend sein. Eine frühe, ruhige Sozialisation hilft, Unsicherheit und übermässiges Melden zu vermeiden.
Rassebeschreibungen zeigen typische Tendenzen, bestimmen aber nicht den einzelnen Hund. Veranlagung, Aufzucht, Sozialisation, Lernerfahrungen und Haltung beeinflussen seine Entwicklung.
Erziehung und Beschäftigung
Geduld, kleinschrittiges Lernen und attraktive Belohnungen sind wichtig. Suchspiele, kontrolliertes Klettern auf sicheren Untergründen und abwechslungsreiche Spaziergänge kommen der Rasse entgegen. Rückruf und Leinenführigkeit benötigen wegen jagdlicher Motivation besondere Sorgfalt.
Haltung und Familie
Der Lundehund kann ein enger Familienbegleiter sein, ist aber keine gewöhnliche Kleinhunderasse. Halter sollten sich vor der Anschaffung mit Verdauung, Fütterungsmanagement und der kleinen genetischen Population befassen.
Fellpflege
Das wetterfeste Doppelfell wird regelmässig gebürstet. Pfoten und zusätzliche Zehen müssen auf Verletzungen, zu lange Krallen oder Scheuerstellen kontrolliert werden. Im Fellwechsel ist häufigeres Ausbürsten sinnvoll.
Gesundheit
Von besonderer Bedeutung ist das Lundehund-Syndrom, ein Komplex chronischer Magen-Darm-Erkrankungen mit möglichem Eiweissverlust. Verlauf und Ausprägung unterscheiden sich. Verdauungsprobleme, Gewichtsverlust oder verändertes Allgemeinbefinden gehören frühzeitig tierärztlich abgeklärt. Züchterische Gesundheitsdokumentation ist besonders wichtig.
Diese Angaben ersetzen keine tierärztliche Beratung. Auffälligkeiten bei Atmung, Bewegung, Verdauung, Haut, Gewicht oder Allgemeinbefinden sollten fachlich abgeklärt werden.
Der Shiba Inu ist ebenfalls ein kleiner nordischer beziehungsweise asiatischer Spitz der FCI-Gruppe 5. Der Lundehund unterscheidet sich jedoch durch seine Spezialisierung auf die Jagd an steilen Felsküsten und seine aussergewöhnliche Anatomie.
Für wen eignet sich der Norwegische Lundehund?
Geeignet ist er für Menschen, die:
- sich gründlich mit der seltenen Rasse beschäftigen,
- geduldig und kleinschrittig trainieren,
- Gesundheit und Fütterung eng beobachten,
- einen eigenständigen, ungewöhnlichen Hund schätzen
Weniger geeignet ist er für Menschen, die:
- eine unkomplizierte Allerweltsrasse suchen,
- Gesundheitsvorsorge und mögliche Kosten unterschätzen,
- sofortigen Gehorsam erwarten,
- Jagdverhalten ungesichert lassen
Wer Herkunft, Charakter und Bedürfnisse realistisch berücksichtigt, schafft die beste Grundlage für ein verlässliches Zusammenleben.
| FCI - Nr.: | 265; Norwegischer Lundehund; Norwegen |
| Gruppe: | 5.2; Nordische Jagdhunde; ohne Arbeitsprüfung |
| Größe: | Rüden etwa 35–38 cm, Hündinnen etwa 32–35 cm |
| Gewicht: | Rüden ungefähr 7 kg, Hündinnen ungefähr 6 kg |
| Farben: | Rotbraun bis Falb mit schwarzen Haarspitzen und weissen Abzeichen; auch Weiss mit dunklen Abzeichen |
| Pflege: | regelmässig bürsten und zusätzliche Zehen sowie Krallen kontrollieren |
| Auslauf: | tägliche Bewegung, Suchaufgaben und kontrollierte Auslastung |
| Alter: | häufig etwa 12–14 Jahre |
Vereine
Deutscher Club für Nordische Hunde e.V. (DCNH)
Östereichischer Klub für Nordische Hunderassen (ÖCNHS)
Schweizerische Klub für Nordische Hunde
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Hinweis: Zubehör muss zur Grösse, zum Alter, zum Gesundheitszustand und zum individuellen Verhalten des Hundes passen. Beschäftigungsmaterial sollte bestimmungsgemäss und bei Bedarf nur unter Aufsicht verwendet werden.
Weiterführende Informationen
Allgemeine Informationen zu verantwortungsvoller Zucht und zur Rasse bietet der Verband für das Deutsche Hundewesen.
Den internationalen Rassestandard führt die Fédération Cynologique Internationale unter der Standardnummer 265.
Rechtlicher Hinweis
Die beschriebenen Eigenschaften sind allgemeine rassetypische Merkmale. Charakter, Verhalten, Gesundheit und Eignung können beim einzelnen Hund abweichen und werden unter anderem durch Veranlagung, Zucht, Sozialisation, Erziehung und Haltung beeinflusst. Die Angaben dienen der allgemeinen Information und ersetzen weder eine tierärztliche noch eine rechtliche Beratung. Zusätzlich sind die am jeweiligen Wohnort geltenden Vorschriften zur Hundehaltung zu beachten.





